Thermodynamischer Zerfall

In jeder dieser gläsernen Architektursünden, die wir euphemistisch „Unternehmenszentralen“ nennen, spielt sich täglich das gleiche erbärmliche Schauspiel ab: Eine Gruppe von Primaten in schlecht sitzenden Anzügen versucht verzweifelt, der Thermodynamik den Mittelfinger zu zeigen. Sie nennen es „Organisationskultur“, „Agilität“ oder „Publicity“, doch in Wahrheit ist es nichts weiter als ein zum Scheitern verurteilter Kampf gegen den universellen Verfall. Jede Struktur, die wir in diesen Betonwüsten errichten, ist eine direkte Beleidigung für die natürliche Ordnung der Dinge. Das Universum strebt nach Chaos, und Ihr wöchentliches „Jour Fixe“ ist lediglich ein ineffizienter Beschleuniger dieses Prozesses.

Das Fleisch als Batterie

Was wir „Arbeit“ nennen, ist in der kalten, physikalischen Realität lediglich der Prozess, bei dem hochwertige chemische Energie – das trockene Schnitzel in der Kantine oder der überteuerte Espresso am Bahnhof – in wertlose Reibungswärme und bürokratischen Müll verwandelt wird. Ein Angestellter ist kein „Talent“ und auch keine „Ressource“. Er ist eine instabile, biologische Batterie, die ständig ausläuft und deren Säure das System von innen zerfrisst. Das Management versucht krampfhaft, diese „Arbeitsentropie“ zu minimieren, aber sehen Sie sich diese Gestalten doch an: Sie sitzen in ihren ergonomischen Bürostühlen, für die man den Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens hingeblättert hat. Man glaubt ernsthaft, dass ein bisschen Netzstoff und eine verstellbare Lordosenstütze den Zerfall der menschlichen Wirbelsäule oder die Erosion der Arbeitsmoral aufhalten könnten. Dieser Preis für ein bisschen Plastik ist die reinste Form des wirtschaftlichen Wahnsinns – ein verzweifelter Versuch, dem körperlichen Schmerz eine käufliche Form zu geben.

Die Entropie eines geschlossenen Systems nimmt immer zu. Das ist kein pessimistisches Weltbild, das ist ein Naturgesetz. Im Büroalltag bedeutet das: Jedes Meeting erzeugt mehr Unklarheit, als es löst. Jede E-Mail-Kette erhöht das Rauschen, bis die eigentliche Information darin ertrinkt wie ein Kieselstein in einer Güllegrube. Wir minimieren hier gar nichts. Wir verwalten nur das Ausmaß unserer kollektiven Verblödung. Der Hunger nach Bedeutung treibt uns dazu, Prozesse zu „optimieren“, während der eigentliche Magen knurrt und der Kontostand am Monatsende die wahre, kalte Realität der „Wertschöpfung“ offenbart: Es reicht gerade so für die nächste Miete und ein billiges Bier, um das Gehirn vorübergehend abzuschalten. Lächerlich.

Die Lüge der Co-Creation

„Value Co-Creation“ – wer diesen Begriff ohne Würgereiz ausspricht, hat entweder keine Seele oder ein unmoralisch hohes Gehalt. Organisationen sind dissipative Strukturen im Sinne Prigogines; sie existieren nur, weil sie Energie (Kapital und menschliche Lebenszeit) durch sich hindurchschleusen und den dabei entstehenden Dreck nach außen abgeben. Die „Öffentlichkeit“ oder „Publicity“ einer Organisation ist kein moralisches Ziel, sondern das Abgasventil eines überhitzten Motors. Wir werfen unsere „Werte“ nach draußen wie ein sterbendes Tier, das seine Exkremente verteilt, um sein Revier ein letztes Mal zu markieren.

Diese Strukturen sind fernab vom Gleichgewicht, und das ist auch ihr einziger Daseinszweck. Ein System im thermodynamischen Gleichgewicht ist tot. Sobald eine Firma perfekt effizient wird, stirbt sie den Hitzetod der Stagnation. Deshalb brauchen wir die ständige Instabilität, den künstlichen Stress, die täglichen passiv-aggressiven Notizen am Kopierer. Wir brauchen die Reibung zwischen den Abteilungen, damit genug Hitze entsteht, um die Illusion von Leben aufrechtzuerhalten. Man hämmerte auf seine mechanische Tastatur ein, deren metallisches Klicken für unfassbare 190 Euro den Takt des eigenen Untergangs vorgibt, und bildet sich ein, man würde etwas erschaffen. In Wahrheit beschleunigt man nur den Verschleiß der eigenen Gelenke und die allgemeine Unordnung im Universum. Es ist ein überteuerter Krachmacher für Leute, die glauben, dass die Lautstärke ihres Tippens die Leere ihrer Tabellen übertönen kann.

Kalter Kaffee

Am Ende des Tages bleibt nichts übrig außer kaltem Kaffee mit Haut drauf und dem Wissen, dass man wieder acht Stunden seiner begrenzten Existenz gegen die Entropie eingetauscht hat – und verloren hat. Es gibt keine Synergie. Es gibt nur die vorübergehende Synchronisation von Verzweifelten in einem klimatisierten Raum, die alle darauf warten, dass der biologische Reaktor herunterfährt. Wer glaubt, dass „Publicity“ ein Dienst an der Gesellschaft ist, hat wahrscheinlich auch Freude daran, sein Geld in einen Schredder zu werfen, nur um das Geräusch zu genießen.

Gehen Sie nach Hause. Die Organisation wird morgen noch genauso ineffizient sein, und Ihre Bemühungen, den Prozess zu verbessern, werden im Rauschen der nächsten Excel-Tabelle untergehen. Die Physik lässt nicht mit sich verhandeln. Und ich? Ich brauche jetzt erst einmal eine ordentliche Currywurst, bevor ich mir diesen Unsinn weiter ansehen muss. Die Entropie gewinnt sowieso.

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