Geometrie des Irrsinns

Demokratie als Restmüllverwertung

Wann immer jemand den Begriff „öffentliche Willensbildung“ in den Mund nimmt, überkommt mich ein Würgereiz, der weniger mit moralischer Entrüstung als mit physiologischem Ekel zu tun hat. Wir sitzen in fensterlosen Konferenzräumen, die Luft ist verbraucht, und wir starren auf Powerpoint-Folien, die vor intellektueller Leere vibrieren. Was wir dort zelebrieren, ist kein hochgeistiger Austausch von Werten. Es ist der verzweifelte Versuch von Primaten, in einem thermodynamischen Albtraum so etwas wie Ordnung zu simulieren.

Aus der Perspektive der Informationstheorie ist eine Ausschusssitzung nichts anderes als eine Müllhalde für kognitives Rauschen. Individuelle Neurosen, Geltungsdrang und die nackte Angst vor der Bedeutungslosigkeit kollidieren in einem statistischen Raum, der keine Lösungen zulässt, sondern nur Kompromisse, die so faulig riechen wie ein drei Tage altes Fischbrötchen. Sehen Sie sich diese Entscheidungsträger an: Sie debattieren zwei Stunden über die Kostenstelle für Druckerpapier, während sie tief in ihren Vitra Aluminium Group Chairs versinken – Meisterwerke des Designs, deren ergonomische Perfektion an diese krummen Rücken vollkommen verschwendet ist. Sie spüren das Leder nicht. Sie riechen den Luxus nicht. Sie sind zu beschäftigt damit, das Rauschen ihrer eigenen Existenz als Signal zu missdeuten. Das ist keine Politik. Das ist Entropie-Management für Fortgeschrittene.

Ich brauche dringend etwas Hochprozentiges.

Der Krümmungstensor der Inkompetenz

Das fundamentale Missverständnis liegt in der Geometrie. Der naive Bürger glaubt, der Weg zum Konsens sei eine gerade Linie – eine einfache Interpolation zwischen Meinung A und Meinung B. Ein rührender Irrglaube. Der soziale Raum ist nicht euklidisch. Er ist eine grotesk verbogene statistische Mannigfaltigkeit, deren Krümmung durch menschliche Dummheit ins Unendliche verzerrt wird.

Lassen Sie uns die abstrakte Mathematik der Fisher-Information beiseitelassen und uns der tristen Realität zuwenden. Stellen Sie sich die Situation nachts um drei Uhr vor einem Bahnhof vor. Drei betrunkene Gestalten versuchen zu entscheiden, wo sie ihre letzte Mahlzeit einnehmen. Einer schreit nach billigem Döner, der zweite will eine Sitzgelegenheit, der dritte faselt etwas von „Qualität“, obwohl seine Geschmacksnerven längst im Alkohol ertrunken sind. Wenn wir versuchen, diese drei Wahrscheinlichkeitsverteilungen auf einen Nenner zu bringen, landen wir nicht bei einer optimalen Lösung. Wir landen an einem Ort, den niemand wollte: einer überteuerten Touristenfalle mit Neonlicht, in der das Fett von den Wänden trieft.

Das ist die wahre Natur der „kollektiven Intelligenz“. Die Krümmung des Raumes zwingt uns auf Bahnen, die nicht zum Ziel führen, sondern im Kreis. Wir suchen den Punkt der geringsten informationellen Divergenz, finden aber nur den kleinsten gemeinsamen Nenner des Elends. Es ist wie der Versuch, eine Restaurantrechnung unter zehn geizigen Kollegen aufzuteilen – ein Prozess, der so viel Reibungswärme erzeugt, dass er den sozialen Zusammenhalt verdampft, bevor das Portemonnaie überhaupt gezückt ist. In diesem gekrümmten Raum ist jeder Schritt vorwärts eigentlich ein Stolpern zur Seite. Wir bewegen uns nicht auf Fortschritt zu; wir rotieren nur etwas schneller um unsere eigene Unzulänglichkeit.

Das ist doch lächerlich.

Die algorithmische Lobotomie

Und nun kommen die Technokraten und predigen die Erlösung durch Algorithmen. „Algorithmische Gouvernance“ nennen sie das. Sie wollen die Krümmung der sozialen Mannigfaltigkeit glätten, indem sie das menschliche Element einfach wegkürzen. Eine KI soll den optimalen Pfad berechnen, frei von Emotionen und Trunkenheit.

Was diese Narren nicht begreifen: Eine Gesellschaft ohne Reibung ist tot. Wenn wir die Entscheidungsfindung an Systeme auslagern, die uns auf der Basis von Big Data verwalten, erreichen wir den Wärmetod der Demokratie. Wir sitzen dann an unseren Schreibtischen, starren auf unsere sündhaft teure Hermès-Schreibtischunterlage aus Taurillon-Leder und nicken die Vorschläge einer Maschine ab, weil uns die Kraft zum Widerspruch fehlt. Das Leder unter unseren Händen ist echt, aber unsere Zustimmung ist synthetisch. Der Algorithmus löst den Konflikt nicht; er betäubt ihn nur. Er berechnet den Durchschnittswert unserer Ambitionen und serviert uns eine graue Paste aus Konformität.

Wenn die Varianz der Meinungen gegen Null geht, haben wir keinen Frieden geschaffen, sondern einen Friedhof. Jedes Rauschen, jeder sinnlose Streit, jeder Fehler in der Matrix ist das Einzige, was uns noch von einer bloßen Zeile in einer Datenbank unterscheidet. Wer die Reibung abschafft, schafft das Leben ab. Wir werden zu glatt geschliffenen Kieselsteinen in einem Fluss aus Daten, unfähig, noch irgendeinen Widerstand zu leisten, während wir langsam in Richtung Abfluss gespült werden.

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