Wer den modernen Arbeitsmarkt als eine „Leiter“ oder einen „Pfad“ beschreibt, hat entweder den Verstand verloren oder arbeitet in der Personalabteilung, was im Grunde auf dasselbe hinausläuft. Wir haben es hier nicht mit einer simplen Euklidischen Ebene zu tun, auf der man durch bloße Anstrengung von Punkt A (Praktikant) nach Punkt B (CEO) spaziert. Nein, die Realität ist eine grotesk verformte Riemannsche Mannigfaltigkeit, ein gekrümmter Raum aus Wahrscheinlichkeitsverteilungen, in dem wir wie blinde Ratten in einem stochastischen Labyrinth umherirren, immer auf der Suche nach dem nächsten Gehaltsscheck, der uns kurzzeitig vor dem existenziellen Nichts bewahrt.
Die Vorstellung, dass „Talent“ oder „Leidenschaft“ irgendeine Relevanz in diesem System hätten, ist eine Beleidigung für jede ernstzunehmende Mathematik. Was wir als individuellen Wert eines Arbeitnehmers missverstehen, ist lediglich die Fisher-Informationsmatrix – ein Maß für die „Auflösung“ oder „Schärfe“, mit der ein Mensch in das Getriebe der Kapitalverwertung passt. Unternehmen suchen keine Menschen; sie suchen nach einer Minimierung der Kullback-Leibler-Divergenz zwischen dem Ist-Zustand des organischen Materials (Ihnen) und dem Soll-Zustand der Profitmaximierung. Je höher Ihre Fisher-Information, desto steiler ist die lokale Krümmung des Raumes, in dem Sie gefangen sind. Sie werden nicht „wertvoller“; Sie werden lediglich statistisch signifikanter in Ihrer Ausbeutbarkeit.
Was für ein Schwachsinn.
Betrachten wir den sogenannten Lernprozess, diese glorifizierte „Skill Acquisition“. In den Hochglanzbroschüren der Weiterbildungsindustrie wird dies als Entfaltung des Potenzials verkauft. In der brutalen geometrischen Realität ist es jedoch nichts anderes als ein geodätischer Fluss in Richtung des Schlachthauses. Wenn Sie sich zwingen, die neueste JavaScript-Bibliothek zu lernen oder komplexe Excel-Makros zu schreiben, dann erweitern Sie nicht Ihren Horizont. Sie verengen ihn. Sie bewegen sich entlang einer Trajektorie, die durch den Gradienten der Notwendigkeit diktiert wird, getrieben von der Angst vor der Obsoleszenz.
Dieser Prozess fühlt sich nicht an wie intellektuelles Wachstum. Er fühlt sich an, als würde man versuchen, eine billige, fettige Currywurst, die man in der Mittagspause hastig hinuntergeschlungen hat, wieder hochzuwürgen, während man gleichzeitig versucht, dem Finanzamt zu erklären, warum man die Steuererklärung für 2019 immer noch nicht abgegeben hat. Es ist ein innerer Verschleiß, eine mentale Abrasion. Jedes neue „Skill“, das Sie Ihrem Profil hinzufügen, ist wie eine Narbe im Gewebe Ihres Bewusstseins. Sie optimieren Ihre neuronalen Netze darauf, den Unterschied zwischen zwei Grautönen in einer Power-Point-Präsentation zu erkennen, während der Rest Ihrer kognitiven Fähigkeiten – die Fähigkeit zu träumen, zu fühlen oder einfach nur in Ruhe gelassen zu werden – langsam verkümmert wie ein nicht gegossener Ficus im Flur einer Behörde.
Und wofür das alles? Damit man in einem Großraumbüro sitzen darf, in dem die Luft nach dem kalten Schweiß der Kollegen und dem aggressiven Knoblauchgeruch des Sitznachbarn riecht, der glaubt, sein Mittagessen am Schreibtisch einnehmen zu müssen? Die soziale Dynamik in diesen Räumen ist pure Entropie, ein chaotisches Rauschen, das wir verzweifelt versuchen, durch „Teambuilding“ zu strukturieren. Es ist der Versuch, Ordnung in ein System zu bringen, das thermodynamisch darauf ausgelegt ist, menschliche Seele in Abwärme zu verwandeln.
Besonders zynisch wird es, wenn man die physischen Manifestationen dieser Unterwerfung betrachtet. Da sitzen dann diese „High-Performer“ auf einem [Herman Miller](https://www.hermanmiller.com/de_de/products/seating/office-chairs/aeron-chairs/), einem 1.800 Euro teuren Gestell aus Plastik und Mesh, und bilden sich ein, sie hätten es geschafft. Man muss sich die Absurdität dieser Situation auf der Zunge zergehen lassen: Ein Monatsgehalt für einen Stuhl, dessen einzige Funktion es ist, die physiologischen Schäden zu minimieren, die durch das stundenlange Starren auf bedeutungslosen Code entstehen. Das ist kein Luxusmöbel; das ist ein orthopädisches Folterinstrument mit ergonomischem Anstrich, eine Fessel, die so bequem ist, dass man vergisst, dass man gefesselt ist. Der Stuhl rettet nicht Ihre Wirbelsäule; er optimiert lediglich Ihre Sitzfleisch-Kapazität für die nächste Quartalsbilanz.
Einfach nur lächerlich.
Die Informationsgeometrie lehrt uns, dass es in gekrümmten Räumen keine parallelen Linien gibt. Das bedeutet, dass Ihre Interessen und die des Unternehmens niemals parallel verlaufen können. Sie werden sich schneiden, und an diesem Schnittpunkt – der Singularität der Kündigung oder des Burnouts – kollabiert die Wellenfunktion Ihrer Karriere. Wir sind keine Architekten unseres Schicksals. Wir sind Variablen in einer Gleichung, die von einem Algorithmus gelöst wird, den niemand versteht und der am Ende immer Null ergibt. Der metrische Tensor zieht sich zusammen, der Raum wird eng, und die einzige Freiheit, die bleibt, ist die Einsicht in die absolute Notwendigkeit des Scheiterns. Die Gleichung ist gelöst, das Ergebnis ist imaginär.

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